„Wir sind auf den Hund gekommen“ – „Erna“ der Kindergartenhund

  1. Was bedeutet tiergestützte Pädagogik?
  2. Rahmenbedingungen
    a) Halterin
    b) Hund und Rasse
    c) Einrichtung
    d) Kinder
  3. Einsatz eines Kitahundes
    a) Fördert und motiviert
    b) Unterstützt
  4. Unfallverhütungsvorschriften
  5. Hygiene und Gesundheit
  6. Rechtsgrundlagen
  7. Versicherungen
  8. Literaturhinweise
  1. Tiergestützte Pädagogik

Dieses Kitahund-Konzept skizziert die erforderlichen Rahmenbedingungen und Regelungen. Darüber hinaus gibt sie einen Überblick in die angestrebte pädagogische Förderung bzw. Entwicklung.

Hunde helfen Menschen, sich positiv und individuell zu entwickeln. Dies schlägt sich vor allem im Verhalten, größtenteils geleitet durch Emotionen wieder. Deshalb werden Tiere, vor allem Hunde, seit Langem in Therapien und in der Pädagogik erfolgreich eingesetzt.

Studien ergaben, dass Heranwachsende, welche regelmäßig Umgang mit Tieren pflegen, besser in sozialen Kompetenzen geschult werden können. Sie übernehmen z.B. Verantwortung und erfahren Empathie. Unser Kindergartenhund stellt eine sinnvolle Ergänzung unseres situationsorientierten, ganzheitlichen Ansatzes dar.
Die Möglichkeit Erfahrungen mit einem Hund im Kindergarten zu erleben ist eine echte Bereicherung für die Kinder. Wir möchten den Kindern in der Kita „Rappelkiste“ diesen Erfahrungsraum bieten und Sie so auf ein Leben mit Hunden vorbereiten und evtl. sogar dafür begeistern. Gerade vorhandene Ängste, die manchmal auch von Eltern unbewusst weitergegeben wurden, können hier aufgefangen werden und in positive Kontakte und Erfahrungen umgewandelt werden.
Die Kinder sollen Freude im Umgang mit einem bekannten oder unbekannten Tier durch adäquates Verhalten und Respekt entwickeln und lernen, dass ein Tier ein individuelles Lebewesen ist, das gemäß seinen Erfahrungen und Instinkten auf Menschen reagiert und sich entsprechend verhält. Die Kinder kommen schneller zur Ruhe und lernen Ängste ab- und eine Beziehung zu den Tieren aufzubauen. Ein Tier stützt und stabilisiert den Entwicklungsprozess eines Kindes. Hunde haben ähnliche soziale Strukturen und Bedürfnisse wie wir Menschen. Sie sind einfühlsam, anpassungsfähig, suchen Kontakt zu anderen Sozialpartnern und genießen Aktivitäten mit Menschen.

Der Hund kann u.a. das Gefühl der Akzeptanz, der Geborgenheit, des Zuhörens und der Freude vermitteln. Er ermöglicht unverfänglichen Körperkontakt, fungiert als Kontaktstifter, liefert Gesprächsstoff, fördert motorische und kognitive Entwicklungen, sowie die Eigenaktivitäten des Menschen. Er unterstützt das Sozialverhalten, insbesondere Empathie, Rücksichtnahme, Akzeptanz von Grenzen, Zurückstellungen eigener Bedürfnisse und das Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein.

Die dargestellten Eigenschaften, Verhaltensmerkmale und Wirkeffekte prädestinieren einen Hund dazu, erfolgreich in einer Jugendeinrichtung, Schule oder eben im Kindergarten zu arbeiten.

Ziel ist es, dass alle (die möchten) den Hund erleben und den angemessenen Umgang mit ihm erlernen. Der Hund ist für Kinder der geborene „Motivator“, sei es beim Lernen mit allen Sinnen, bei der Sozialentwicklung oder bei der Entwicklung ihres Selbstbewusstseins und Verantwortungsbewusstseins.

  1. Rahmenbedingungen

a) Die Hundehalterin ist die Einrichtungsleitung Michelle Hammesfahr. Ihr ist es bewusst, dass die Hündin nicht nur in einer guten Beziehung aufwächst, sondern in der Einrichtung mit vielen Wechselbeziehungen konfrontiert wird. Die Kitahündin ist ein „Havaneser-Mix“ mit „trikolor Fell“. Da die Hunderasse „Havaneser“ als familienfreundlich, aufgeschlossen, freundlich und anhänglich gilt, war dies ein Mitkriterium für die Auswahl, als geeignete Kitahündin. Der Einsatz in der Einrichtung ist durchdacht und eine pädagogische Ausbildung ist für uns eine selbstverständliche Grundvoraussetzung. Die tierpädagogische Ausbildung schult die enge Beziehung zwischen Halterin und Hündin, aber auch Gehorsam und Disziplin. Michelle Hammesfahr kennt die Hündin genau, kann Stresssignale deuten und die Belastbarkeit einschätzen, um negative Situationen für Tier und Mensch zu vermeiden. Daher ist die Hündin ausschließlich unter der Betreuung von Michelle Hammesfahr mitzuführen.

b) Hund/Rasse

Die Rasse und der Charakter des Hundes sind für den Einsatz in der Einrichtung ausschlaggebend. Die Kitahündin „Erna“ verfügt über ein freundliches Wesen. Sie geht offen auf Menschen zu, sie ist ausgeglichen, verfügt über eine angemessene Reiz- und Toleranzschwelle und der Jagdinstinkt ist nicht besonders hoch ausgeprägt. Ein „Voreignungstest“ durch die „Projekthunde Mettmann“ ist vor dem Einsatz in der Einrichtung und vor Ausbildungsbedingt erfolgt. In dieser etablierten und erfahrenen Hundeschule absolviert die Besitzerin ebenfalls die tierpädagogische Ausbildung mit der Hündin.

c) Schule/Einrichtung

Vor Einsatzbeginn wurde der Vorstand der Einrichtung über das Vorhaben informiert und eine schriftliche Erlaubnis eingeholt. Dasselbe gilt für das gesamte Kollegium der Einrichtung, welches die Kitahündin als Bereicherung des pädagogischen Angebots sieht und geschlossen eine schriftliche Zustimmung zum Einsatz in der Einrichtung gegeben hat. Das Kollegium wurde in einer Teamsitzung zum Umgang mit der Hündin belehrt und hat eine Mitarbeiterbelehrung ausgehändigt bekommen. Neues Personal wird vorab informiert und erhält diese Belehrung ebenfalls. Die Eltern der Einrichtung wurden über das Vorhaben informiert und haben ebenfalls alle ihr schriftliches Einverständnis gegeben. Die Kinder wurden individuell an die Anwesenheit der Hündin gewöhnt. Dabei darf jedes Kind sein eigenes Tempo wählen. Kein Kind oder Erwachsener wird zum Kontakt mit der Hündin gezwungen oder genötigt. Die Kitahündin steht unter ständiger Aufsicht/Verantwortung der Hundehalterin. Sie verfügt über einen festen Rückzugsort, wo sie ihre Ruhezeiten verbringt. Dieser sogenannte „Schutzraum“ befindet sich im Büro der Hundehalterin, welche ebenfalls die Leitung der Einrichtung darstellt. Die Regel zum Umgang mit der Kitahündin wurden mit den Kindern bereist vor Beginn des Einsatzes ausgiebig besprochen und altersgerecht festgehalten.

d) Kinder
Ein reibungsloser Einsatz der Kitahündin kann nur funktionieren, wenn alle Kinder der Einrichtung mit den Umgangsregeln vertraut gemacht wurden. Diese Regeln werden immer wieder kritisch evaluiert und situationsgerecht überarbeitet. Vor allem neu hinzukommenden Kindern werden über die Verhaltensregeln informiert. Bei der Vermittlung spielen das Alter und der Entwicklungsstand der Kinder eine Rolle.

  1. Einsatz der Kitahündin

Die individuelle Entwicklung der Kinder kann durch die Kitahündin begünstigt werden. Die Kitahündin vermittelt Geborgenheit und Unbefangenheit. Laut Studien werden Stresssymptome sofort abgebaut, wenn man einen Hund streichelt und seine Wärme spürt. Biochemische Reaktionen werden in Kraft gesetzt und beruhigen u.a. den Blutdruck und die Herzfrequenz. Seitens der Menschen entsteht ein Verantwortungsbewusstsein und auch ein Gefühl „gebraucht zu werden“.

a) Daher fördert die Kitahündin:

  • das Selbstwertgefühl (Zuneigung, unkritische Bewunderung, konstante Wertschätzung, Verantwortung übernehmen, Akzeptanz, das Gefühl gebraucht zu werden)
  • die Persönlichkeitsentwicklung (Körperkontakt, entspannte Interaktion, Beruhigung, Bewegung, Spontanität und Spaß erleben, Ruhe und Zufriedenheit)
  • die emotionale Stabilität (Akzeptanz, Zuwendung, Bestätigung, Trost, Ermunterung, Zärtlichkeit, Freude, Abbau von Ängsten und Unsicherheit, Neuem begegnen und ausprobieren, Stabilität und Selbstsicherheit, Ermöglichung offenen emotionalen Ausdrucks)
  • das Sozialverhalten (Empathie, Rücksichtnahme, Akzeptanz von Regeln und Grenzen, Zurückstellung eigener Bedürfnisse, Rücksichtnahme, Integration, Kontaktverhalten, Zuwendung, Hilfsbereitschaft, Verantwortungsgefühl, Pflichtbewusstsein)
  • die soziale Integration (Geborgenheit, Erfahrung von Nähe, Erfahrung von Gemeinsamkeit, nicht alleine sein, Vertrauen und Vertrautheit, Verantwortungsbewusstsein, Aufheben sozialer Isolation, Förderung des Kontaktverhaltens und als Eisbrecher-Funktion)
  • die (nonverbale) Kommunikation (soziale Nähe, initiieren von Sozialkontakten, Einsatz von Mimik und Gestik, Ausdrucksfähigkeit, Lesefähigkeit)
  • die motorische und kognitive Entwicklung (Lernen über Hunde und Hundehaltung, Austausch von Gesprächen, Motivation, Konzentrationsfähigkeit, zielgerichtetes Handeln, Handlungsplan, Problemlösungsstrategien entwickeln, Analysefähigkeit)
  • das Lern- und Arbeitsverhalten (Lärmprävention, Sorgfalt und Ordnung, Selbstständigkeit, Kreativität, Lern- und Anstrengungsbereitschaft, Ruhe und Entspannung, Verringerung der Aggressionsbereitschaft, Eigenverantwortung, planvolles, strukturiertes Handeln, erhöhte Steuerbarkeit, Fokussierung der Aufmerksamkeit, längere Zeit bei einer Aufgabe bleiben), sowie das Verantwortungs- und Pflegebewusstsein der Kinder.

b) Dadurch unterstützt die Kitahündin:

In schwierigen und teilweise nicht sofort verständlichen Lern- und Bildungsprozessen kann die Kitahündin zur Verdeutlichung/Veranschaulichung eingesetzt werden.

Dies erfolgt punktuell und zielgerichtet, immer angepasst an das Alter und den Entwicklungsstand der Kinder. Außerdem umfasst der Einsatz für den Hund, im Umgang mit den Kindern, im Höchstfall 30 Minuten!

  1. Unfallverhütungsvorschrift

Trotz Wesens- und Gehorsamkeitsbeschreibung von Fachleuten, sowie eines sehr guten Vertrauensverhältnisses zur Halterin kann es unter Umständen zu Unfällen kommen. Eine Stresssituation wird meist durch äußere Faktoren bestimmt (z.B. unvorhergesehenes Verhalten der Kinder im Umgang mit dem Hund). Die Bedürfnisse des Hundes und der damit verbundenen Umgangsregeln sollten daher respektiert und beachtet werden. Die Hundehalterin hat hierzu einen Maßnahmeplan erstellt, der auf Nachfrage eingesehen werden kann.
Bevor die Hündin sich selbst zur Wehr setzen muss durch erhöhte äußere Reize), zeigt diese eine Vielzahl abgestufter Stresssignale, die die Besitzerin kennt. Hierzu wurde die Halterin speziell in der tierpädagogischen Ausbildung geschult. Außerdem wurde von Michelle Hammesfahr eine „Stressorenliste“ der eigenen Hündin erstellt. Auch diese ist einsehbar.
Im Rückzugsort ist die Hündin vor Interventionen geschützt, vor ungeplanten Zugriffen geschützt und die Ruhephasen können hier eingehalten werden.
Trotz der vermeidlichen Gefahren eines Hundes im Kitaalltag, kann der Einsatz unter Berücksichtigung des Verhältnisses der positiven und negativen aufgeführten Aspekte gerechtfertigt werden.

  1. Hygiene und Gesundheit

Folgende Hygieneregeln gelten im Umgang mit der Kitahündin

  • der Gruppenraum sollte stets sauber sein, dies betrifft insbesondere Lebensmittel. Die Kindergartentaschen hängen geschlossen im Flur, zu dem die Hündin keinen eigenständigen Zutritt hat. Dasselbe gilt für die Kleidung (Jacken, Sportsachen etc.) der Kinder. Somit kann der Kontakt zur Kleidung vermieden werden.
  • das Bürsten sowie die Pflege (Waschen) der Hundehaare erfolgt ausschließlich außerhalb der Einrichtung und unterliegt dem entsprechenden Hygieneplan. Zum Infektionsschutz erfolgt außerdem das Waschen/Desinfizieren der Hände vor dem Kontakt, sollte dies notwendig sein.
  • nach dem Kontakt mit der Hündin waschen sich alle Beteiligten die Hände
  • eine Kopie des gültigen Impfausweises liegt vor und kann eingesehen werden
  • ein tierärztliches Gesundheitszeugnis wird jährlich eingeholt und kann eingesehen werden
  • für die Intervention notwendiges Material wird gesondert gelagert und ebenfalls regelmäßig desinfiziert. Dazu erfolgt eine Dokumentation im Hygieneplan, welcher eingesehen werden kann und sowohl von der Hundehalterin als auch dem Reinigungspersonal geführt wird
  • Zoonose-Risiken sind wechselseitig ansteckbare Erkrankungen/Viren, wie z.B. Schnupfen, Husten oder ähnliches (Ausnahme Corona). Diese können seitens der Kinder auf die Hündin übertragen werden. Sollten solche Erkrankungen im Kitaalltag aufkommen, erfolgt (bis auf weiteres) ein Ausschluss der Kitahündin.
  • Zugangsbeschränkungen: Die Hündin hat keinen Zutritt zur Küche, den Wasch- und Toilettenräumen und dem Wickelraum. Der Zutritt zum Schlafraum der Kinder erfolgt nur nach Absprache mit den Eltern/Kindern/Mitarbeiterinnen der Gruppe. Die Hündin liegt nicht in den Betten der Kinder.
  • das Hundebett wird mindestens 1x wöchentlich gereinnigt. Diese Reinigung wird dokumentiert. Außerdem wird das Büro, welches die Schutzzone der Hündin beinhaltet besonders häufig gereinigt. Auch dies wird vom Reinigunspersonal dokumentiert.
  1. Rechtsgrundlagen

Das Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW hat 2015 eine Handreichung zu den Rechtsfragen zum Einsatz eines Kitahundes entwickelt.

2019 wurde diese durch die „RiSU“ -Richtlinien zur Sicherheit im Einsatz ergänzt.

Die Genehmigung des Kitahundes und der Einsatz unterliegt der Einrichtungsleitung und dem Vorstand der „Elterninitiative Kunterbunt e.V.“ (beides liegt vor). Die Einrichtungsleitung arbeitet streng mit den „Projekthunden Deutschland“ zusammen. Da es keine bundesweiten, einheitlichen Richtlinien zur Ausbildung gibt, hält sich die Einrichtungsleitung an das eigens konzipierte „Qualitätsmanagement-System“ der „Projekthunde Deutschland“.

Als Erweiterung des gültigen Tierschutzgesetztes und der damit verbundenen Arbeitszeiten, sowie Ruhezeiten ist der Hundeeinsatz gedrittelt. Ein entsprechender Arbeitszeitnachweis (Vorbereitung, Einsatz, Ruhephase) kann eingesehen werden.

Eine Zustimmung des zuständigen Veterinäramtes nach § 11 Abs. 1 Nr. 8 d TSchG wurde erfragt.

  1. Versicherungen

Die Hundehalterin Michelle Hammesfahr verfügt über eine private Hundehalter-Haftpflichtversicherung. Außerdem wurde die Kitahündin in die Versicherung des Trägers mit aufgenommen. Schriftstücke hierzu können eingesehen werden.
Die Kinder sind im gesetzlichen Rahmen der Unfallkasse NRW versichert.

  1. Literaturnachweise

Beetz, Andrea, Hunde im Schulalltag
Boehm, Thyra, Gründerin der ersten Jugendfarm in Deutschland
Bull, Anette, Anstiftung zum Leben mit Tieren- zum Einsatz von Tieren in Kindertageseinrichtungen
Bull, Anette, Tiergestützte Therapie und Pädagogik
Agsten, L., HuPäSch, Hunde in die Schulen – und alles wird gut!?
Greiffenhagen, Sylvia, Tiere als Therapie
Kluckhohn, Heide- Lore, Mein Hundebuch
Koneczny, Marion, Hunde im Kindergarten
Olbricht, Erhard Menschen brauchen Tiere
Projekthunde Deutschland, Qualitätsmanagement, Handbuch zum Einsatz von Hunden in Schulen und Kindergärten
RiSu- Richtlinien zur Sicherheit im Unterricht
Rugaas, Turid, Calming Signals
Rogers, Carl, Entwicklung der Persönlichkeit
Vietinghoff, S. von, Ausbildungsunterlagen „hundegestützte Pädagogik und
Therapie“, Dogmentor 2012.
TVT- Merkblatt 131.4
Werner, A., Doodle, Cadmos 2012

Projekthunde Deutschland, https://www.projekthunde.de/unser-ausbildungszentrum/informationen-fuer-soziale-einrichtungen/

https://www.schulministerium.nrw.de/themen/schulsystem/unterricht/lernbereiche-und-unterrichtsfaecher/richtlinien-zur-sicherheit-im

Diese tierpädagogische Konzeption wurde mit freundlicher Hilfe der „Projekthunde Mettmann“ erstellt.